Allein, allein


22. Januar 2017 / Nadine



Wer kennt das nicht? Irgendwann im Leben ist man das erste Mal alleine. Mir ging es im letzten Jahr so, nachdem ich von einer WG in eine Wohnung alleine gezogen bin. Da stand die Einsamkeit nun vor meiner Tür und ich hatte keine andere Wahl, als sie hereinzulassen. Und ich fand es einfach nur furchtbar.

 

Einsamkeit lässt sich nicht verdrängen

Zwischen all der Vertraulichkeit, inmitten meiner liebevoll eingerichteten Wohnung, fühlte ich mich auf einmal schrecklich einsam und verloren. Als geselliger Mensch verbrachte ich also jede freie Minute draußen, unterwegs mit Freunden und Familie. Ich vermied es in meiner Wohnung zu sein, die mich zugleich einengte und mit einer bedrohlichen Leere erdrückte. Manche Nächte schlief ich sogar bei Freunden, lief weg vor der Stille in meinem Heim. Und dann folgten die ersten Tage, an denen keiner Zeit hatte, alle beschäftigt waren mit ihrem eigenen Leben. Da saß ich nun, wusste nichts mit mir anzufangen. Ich wurde unruhig und fing an die aufsteigenden Gedanken und Emotionen mit laut schmetternden Songs aus dem Lautsprecher zu übertönen. Von Jack Johnson bis Bill Haley’sRock around the clock‘ war alles dabei. Hauptsache fröhlich und mit Potential, meinem Kopf Heiterkeit und gute Stimmung vorzuspielen. Doch die Stille und Leere in meiner Wohnung, sorgten dafür, dass es nicht zu verdrängen war, dass ich nun mal alleine mit mir war. Und das machte mir wahnsinnige Angst.

 

Ein neuer Anstrich

Ich machte mich also motiviert bei, mein Leben aufzupeppen, dafür zu sorgen, dass ich mich wohlfühlte. Mein Schlafzimmer bekam einen neuen Anstrich, ich dekorierte, werkelte, baute und verrückte Möbel wie verrückt. Bis ich mit einem Wohlgefühl nach Hause kam und mich darauf freute, mein schönes Heim zu sehen. Allein. Es war zwar immer noch still, doch hatte es nun einen schönen Anblick. Ich fing wieder an mehr zu lesen, hörte viel Musik und wandte mich dem Kochen zu. Doch am liebsten traf ich mich immer noch mit Freunden oder Familie. Irgendwie gewöhnte ich mich an die Stille in der Wohnung, doch es gab auch Momente, da bekam ich es mit der Einsamkeit zu tun.

Allein sein zu müssen ist das Schwerste, allein sein zu können das Schönste.

-Hans Krailsheimer

Als ich mich einen Nachmittag mit einer Freundin traf und ihr ehrlich gestand, dass ich nicht alleine sein kann und furchtbar neidisch auf sie und andere Freunde war, die es genossen alleine zu sein, gab sie mir den Anstoß, einen anderen Blickwinkel auf die Dinge einzunehmen. Es ist nämlich ein Unterschied, ob man alleine sein möchte oder zwangsläufig alleine ist. Ich glaube kein Mensch ist gerne alleine, wenn er es sein muss und nicht gelernt hat damit umzugehen. Der indische Philosoph Osho benannte es als grundlegend notwendig zu lernen alleine zu sein, um lieben zu können.

 


 

 


 

Aber warum ist es eigentlich so schwer mit sich selbst alleine zu sein?

Alleine zu sein bedeutet, dass man mit sich selbst konfrontiert wird. Wer das nicht hin und wieder tut, so wie ich als Verdrängungskünstler, der hat es besonders schwer seinem Selbst ins Gesicht zu gucken. Es gibt plötzlich viel Raum und Zeit für Gedanken und Grübeleien. Es ist Platz für die Frage Wer bin ich? und damit einhergehend Wer will ich sein? und Wo will ich hin?. Ganz schön viele Fragen, die beantwortet werden wollen. Und plötzlich weiß man eigentlich gar nicht mehr, was man will. Oder so wie ich, man will ganz vieles und in der nächsten Minute schon wieder ganz anderes. Die Tatsache, dass man gegen die endlos kreisenden Gedanken nicht ankommt, hilft eine entspannte Haltung einzunehmen. Nun haben die Seelenvögel endlich mal die Ruhe und Möglichkeit sich auszubreiten und über dem Kopf hin und her zu kreisen, da lassen sie sich nicht so schnell verscheuchen. Hin und wieder stürzen sie einen sogar in Stimmungsschwankungen. Das ist schwer auszuhalten, weil es aufwühlt und unruhig macht. Achtsam die Gedanken vorüberziehen zu sehen, ohne sie zu bewerten, hilft sich zu sortieren und innere Ruhe zu behalten. Leichter gesagt als getan!

You have to leave the city of your comfort and go into the wilderness of your intuition. What you’ll discover will be wonderful.

What you’ll discover is yourself.

-Alan Alda

 

Was lässt dich die Zeit vergessen?

Alan Alda, Schauspieler, Drehbuchautor und Regisseur, rät dazu, auf seine Intuition zu hören. Sich seiner Bedürfnisse und Wünsche klar zu werden. Auf seinen Körper zu hören, seinem Geist freien Lauf zu lassen, auf der Suche nach den einfachen Dingen, die einen glücklich machen. Auch meine Freundin riet mir dazu: „Tu, was dir Spaß macht! Such dir Beschäftigungen, bei denen du die Zeit vergisst und du ganz bei dir sein kannst. Dinge, bei denen du es als wertvoll und schön empfindest, diese Zeit für dich zu haben.“

Ich wusste genau, was das für mich bedeutet. Mein kreativer Kopf ist schon seit einiger Zeit eingerostet, weil ich meine freie Zeit immer für etwas anderes nutzte. Es war mal wieder an der Zeit mich kreativ auszuleben. Auch lange Spaziergänge in der Natur befreiten meinen Kopf von den elenden Gedanken und Sorgen. Das Aufschreiben meiner Gedanken half mir dabei, mich zu reflektieren und gab mir das Vertrauen, dass alles schon irgendwie so kommt, wie es kommen soll. Zumindest einen großen Teil meiner Zeit verbrachte ich nun mit einem angenehmeren Gefühl, vergaß oft sogar, dass ich es als störend empfand alleine zu sein.

Du kannst dich nicht einsam fühlen, wenn Du die Person magst, mit der Du alleine bist.

-Wayne Dyer

Letztendlich lehrt das Alleinsein auch behutsamer mit sich selbst umzugehen. Denn wer viel Zeit mit ausschließlich sich verbringt, der möchte schließlich, dass man sich selbst ein netter Begleiter ist. Der innere Kritiker schrumpft und sitzt nur noch kleinlaut in der Ecke, während man eine Selbstliebe entwickelt, die dafür sorgt, dass man sich mit sich selbst eigentlich ganz gut fühlt. Während man die Dinge tut, die einen glücklich machen, stellt man hin und wieder fest, was man wirklich gut kann. Das pusht nochmal das Selbstbewusstsein und verpasst dem Kritiker den letzten Schlag, von dem er sich eine Weile nicht erholen wird. Man lernt für sich zu sorgen und für seine Bedürfnisse einzustehen. Dabei fällt auch ein Nein gar nicht so selten, wenn manches nicht zum eigenen Wohlbefinden beiträgt. Es tut gut zu wissen, dass man die Nummer Eins ist. An erster Stelle für einen selbst. Und da werde ich auch bleiben.

Wenn eine Frau sich selbst die beste Freundin ist, wird das Leben einfacher.

-Diane von Fürstenberg

Letztens zog es mich wieder raus in die Natur zu einem Spaziergang. Für einen Moment überlegte ich, wen ich fragen könnte, um mich zu begleiten. Dann lächelte ich und entschied alleine zu gehen, denn mittlerweile genieße ich diese Allein-Momente.

Von Herzen

Nadine
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