Ein Loblied auf die alte Schule


15. Mai 2017 / Nadine



Alte Schule‘, das kennt doch heutzutage eigentlich keiner mehr so richtig. Dabei macht das so einen guten Eindruck. Und das nicht nur beim Kennenlernen.

Andere Welten

Wenn ich zu einer 50er Jahre Party gehe, dann tauche ich ab in eine andere Welt. In eine schöne Welt. Die Musik versprüht gute Laune und Leichtigkeit, der Saal ist gefüllt mit wunderschönen Kleidern und bunten Röcken, eine Frisur ist schöner als die andere, selbst die Männer haben sich herausgeputzt und Pomade im Haar nachgelegt. Auf der Tanzfläche drehen sich die Tellerröcke und wunderschöne Frauen werden hin und her gewirbelt, immer mit einem Lachen im Gesicht. Ich habe dann das Gefühl zu Hause zu sein, nur in einer anderen Zeit.

Als ich das erste Mal auf so einer Party war, wusste ich gar nicht wie mir geschieht. Zwar kannte ich das ganze Drumherum, denn ich schwärme schon seit Jahren für die 50er Jahre Zeit, aber das Verhalten der Männer war mir völlig neu. So kam es, dass ein junger Mann, während ich mit meiner Freundin ein Schwätzchen hielt, auf mich zu steuerte und mich um einen Tanz bat. Er hielt mir die Hand hin, lächelte mich freundlich an und schaute erwartungsvoll. Ich dachte ich bin im Film! Ich bedankte mich höflich, lächelte zurück und verneinte, da ich weder Swing noch Boogie Woogie drauf habe. „Nicht so schlimm, das zeige ich dir!“, war die Antwort, während er mich an der Hand auf die Tanzfläche zog und meine Freundin mir noch schnell die Tasche von der Schulter nahm. Zwar war ich anfangs peinlich berührt, weil ich das Gefühl hatte, dass alle anderen Gäste nur mich anstarren, aber nach kurzer Zeit machte es richtig Spaß geführt zu werden, ein paar Schritte zu erlernen und über sich selbst zu lachen. Loslassen eben, etwas Neues wagen und nichts drauf geben, was andere denken könnten. Als das Lied vorbei war, hakte er mich bei sich unter, brachte mich zu genau der Stelle zurück, an der er mich abgeholt hatte und bedankte sich aufrichtig für den Tanz. Mit einem „Vielleicht haben wir ja später noch einmal das Vergnügen.“ und einem verschmitzten Lächeln verabschiedete er sich und ich gehörte, völlig aus der Puste und beseelt, wieder meiner Freundin. Noch zweimal an diesem Abend passierte mir dasselbe. Wenn erst einmal einer von den Herren sich getraut hat dich anzusprechen, dann ist der Startschuss gefallen und es folgen weitere Tanzinteressierte. Aber es war mir nicht unangenehm. Und das war es, was mich so verwirrte.

Höflichkeit ist neben Courage ein Zeichen des Gentleman.

– Theodore Roosevelt



 

Ist man heutzutage in Tanzbars unterwegs, musst du als Frau immer darauf vorbereitet sein, dass dich ein Kerl auf plumpe Art und Weise anbaggert. Er präsentiert dir sein schmierigstes Lächeln, schmachtende Augen und lässt dich den ganzen Abend nicht mehr in Ruhe. Hin und wieder kann es auch schon mal passieren, dass dem ein oder anderen die Hand ausrutscht und diese dann an Körperstellen bei dir klebt, an denen ein Fremder so gar nichts zu suchen hat. Meine Stimmung singt dann meistens von Minute zu Minute.. Ich fühle mich einfach unwohl, wenn ich den Eindruck habe, dass ich wie auf dem Viehmarkt der verzweifelten Männerwelt zur Schau gestellt werde. Selbst, wenn du dich nicht herausgeputzt hast und nur deine sportlichen Klamotten und Chucks anhast, finden sich genügend Kerle, die dir den ganzen Abend nicht von der Pelle rücken.

Ein Gentleman ist ein Mann, der sich wenigstens vorstellt, bevor er einem nachstellt.

– Unbekannt

 

Das Bild, welches sich mir nun auf der 50er Jahre Party bot, war ein völlig anderes. Meine Güte, die Herren hier konnten sich benehmen! Natürlich wagten sie auch hier einen Blick oder ein Zuzwinkern, aber alles in Maßen. Und oft blieb es auch ganz einfach dabei. Dusselig angequatscht wurde ich auf so einem Tanzabend noch nie. Offensichtlich haben viele der Herren der Schöpfung hier die alte Schule gelernt.

 



 

Die ‚alte Schule‘ – was ist das eigentlich?

Es geht darum ein Gentleman zu sein, statt ein schmieriger Macho. Männlichkeit mit Stil, würde ich es nennen. Natürlich, unter Männern schwillt schon mal die Brust, jeder ist der Tollste, der Größte, der Beste. Hier gehört das Machosein einfach dazu. Aber gegenüber einer Dame ist ein Gentleman nicht überheblich, sondern zuvorkommend. Damit meine ich keine (verzeih‘ mir meine Wortwahl) Arschpuderei, sondern Höflichkeit und Aufmerksamkeit. Sie öffnen einem die Tür, helfen einem in den Mantel, bieten einem den Platz an. Ein Gentleman ist gerne für eine Frau da, sorgt dafür, dass sie sicher nach Hause kommt und hat Freude daran, es ihr nett zu machen und den Beschützer zu spielen. (Ein tolles Beispiel bieten da die Vorzeigekerle aus den Schwarz-Weiß-Filmen!) Klingt für manch einen vielleicht kitschig, ich finde es stilvoll.

A gentleman is one who puts more into the world than he takes out.

– George Bernard Shaw

 

Und auch wenn ich mein eigenes Geld verdiene und gerne unabhängig bin, so fühle ich mich geehrt, wenn bei einem ersten Kaffee der Mann die Rechnung übernimmt. Voraussetzen würde ich das niemals, das finde ich dreist. Aber es macht einen guten Eindruck, weil ich dann das Gefühl habe, dass es ihm gefallen hat und er weiß, dass ich es wert bin, einen Kaffee spendiert zu bekommen. Ich finde, dass die alte Schule einen richtigen Mann erst ausmacht und nicht wie manch ein Herr es vielleicht denkt, von Weichspülerei zeugt. Plumpes Anbaggern, Dummgeschwätz und Honig ums Maul schmieren ziehen dagegen gar nicht. Wir Frauen wissen einfach, dass an der Schleimerei nichts Wahres dran ist.

Und weil es heutzutage nur noch wenige Männer gibt, die die alte Schule drauf haben, singe ich ein Loblied auf alle Herren der Schöpfung (ich bin mir sicher, dass es diese nicht nur auf 50er Jahre Veranstaltungen gibt), die wissen, wie man sich benimmt!

Heutzutage gilt ein Mann schon als Gentleman, wenn er die Zigarette aus dem Mund nimmt, bevor er eine Frau küsst.

– Barbra Streisand

 

Von Herzen

Nadine
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