Ich mag dich!


23. April 2017 / Nadine



Ich bin ein Herzmensch. Ich schenke gerne, ich bin gerne für andere da und ich zeige anderen auf indirekte Art und Weise, dass ich sie ins Herz geschlossen habe. Aber ich spreche es selten aus. Viel zu selten.

Als ich letztens zum ersten Mal in Berührung mit der Metta Meditation gekommen bin, wurde mir das bewusst. Bei der Metta Meditation geht es um das Üben der inneren Haltung zu sich selbst und zu allen anderen Wesen auf dieser Welt. Man begegnet sich, den Menschen, die einem wichtig sind, den Menschen, die einem egal sind, und den Menschen, die man ablehnt mit Freundlichkeit, Wohlwollen, Mitgefühl  und Liebe. Das alles während der Meditation im Kopf. Nun könnte man sich fragen, wozu das Ganze? Ich frage mich eher: Warum spreche ich es nicht hin und wieder auch mal aus?

  Es muss von Herzen kommen, was auf Herzen wirken soll.

– Johann Wolfgang von Goethe

 

Die Tür zum Inneren

Ich kann nicht behaupten, dass ich niemals jemandem sagen würde, dass ich ihn mag, bewundere oder ähnlich schöne Worte. Aber tatsächlich ist es so, dass mir, nennen wir es Liebesgeständnisse jeglicher Art, nicht immer leicht über die Lippen gehen. „Ich dich auch.“ dann schon eher. Aber warum ist das eigentlich so? Denn schließlich fühle ich Dinge wie Liebe, Mitgefühl, Zugehörigkeit und vieles mehr, ja in meinem Herzen. Und davon nicht wenig.

Möglicherweise liegt es daran, dass man sich beim Bekunden von Gefühlen verletzlich zeigt. Denn während wir unsere Emotionen in Worte fassen, öffnen wir unserem Gegenüber eine Tür, die direkt in unser Inneres führt. Wir öffnen uns, gewähren Zugang zu unserem wahrhaftigen Selbst und sind schneller angreifbar. Und wir geben für einen Moment die Kontrolle ab. Ah, da haben wir ja das Problem an der Sache. Denn wer gibt schon gerne freiwillig die Zügel aus der Hand und wagt verletzt zu werden?

 

Was bedeutet Verletzlichkeit?

Sich verletzlich zeigen zu können heißt, dazu zu stehen, unvollkommen zu sein. Es bedeutet, dass man in erster Linie sich selbst liebt, wie man ist und anderen ebenso Mitgefühl entgegen bringen kann. Und es hat etwas damit zu tun authentisch zu sein. Den Gedanken loslassen zu können, man müsste jemand anderes sein. Verletzlichkeit zulassen heißt, dafür einzustehen, wer man wirklich ist. Seinen Schattenseiten ins Gesicht zu blicken, sie zu akzeptieren und preisgeben zu können. Es hat etwas damit zu tun unsere Masken abzunehmen und sich nicht abhängig von den Meinungen und Bildern der anderen über einen selbst zu machen. Ein Mensch, der sich verletzlich zeigt, geht ehrlich mit sich selbst um. Das macht ihn selbstbewusst und gibt ihm Kraft und Stärke. Denn wir wachsen an dem Wissen, dass wir alle Schwächen, Ängste und Zweifel haben und uns dafür nicht verstecken brauchen. Wir alle fühlen uns hin und wieder verletzlich, durch ganz unterschiedliche Situationen hervorgerufen. Sie es der Schritt, jemanden um Hilfe zu bitten, andere Menschen anzusprechen, den ersten Schritt bei einer Versöhnung zu gehen oder Leidenschaft mit dem Partner zu beginnen. Das ganze Leben bringt ständig Situationen mit sich, in denen wir unserer Verletzlichkeit gegenüberstehen.

 



 

Unserem Perfektionismus an den Kragen

Viele der Gründe, warum wir uns nicht gerne verletzlich zeigen, liegen in unseren Erfahrungen. Schon als Kinder wollen wir unseren Eltern gefallen, gute Leistungen erbringen, um ein Lob zu erhaschen, die richtige Kleidung tragen, um zur Gang dazu zu gehören, den sexy Topmodel Körper haben, um das andere Geschlecht zu imponieren. Wir wurden von der ersten Liebe verletzt und wollen dieses Gefühl nie wieder haben. Noch ein paar Ziegel mehr auf die Mauer, damit wir uns nicht mehr so weit für andere öffnen müssen. Wir werden unterbewusst in unserer Erziehung zu „perfekten“ Wesen herangezogen, von der Gesellschaft zu immer mehr Leistung und einem perfekten Selbstbild bewegt, aber auf keinem Werbeplakat steht: „Hey! Du bist unvollkommen und ich auch. Und das ist toll, denn niemand ist perfekt und dennoch haben wir alle verdient geliebt zu werden. Mit all unseren Schattenseiten.“

 

Verletzlichkeit verbindet

Das Schöne an der Verletzlichkeit ist, dass sie nicht, wie immer abfällig bewertet, ein Zeichen von Schwäche ist. Nein, sie ist ein Zeichen von Stärke. Denn wer sich selbst akzeptiert und um seine Schwächen und Schattenseiten weiß und sie offen ans Licht bringen kann, der fürchtet sich nicht vor Ablehnung. Er weiß, dass es in anderen Mensch genauso aussieht, denn niemand ist vollkommen. Öffnen die Menschen ihr Herz für ihr Gegenüber und sich selbst, fühlen sie sich eher mit ihren Mitmenschen verbunden. Wir teilen Intimitäten, lassen Emotionen zu und können uns durch steigendes Mitgefühl mit den Gedanken des anderen identifizieren. Unsere Wertschätzung für jemanden, der sich uns öffnet und sich anvertraut, steigt und wir fühlen uns insgeheim auch geehrt, dass wir es wert sind, jemandem in die Karten zu schauen. Wir alle wollen stark und unabhängig wirken, wollen unser Selbstbild einer robusten und eigenständigen Persönlichkeit aufrechterhalten. Aber näher rücken wir damit keinem. Jeder bleibt für sich, ein Einzelkämpfer mit Sorgen und baut sich Mauern, die bis zum Himmel reichen. Dabei verbirgt sich hinter diesen Mauern so viel Schönes, wofür wir geliebt werden könnten.

  Freiheit- es gibt sie wirklich. Sie liegt jenseits der Mauern, die wir selbst errichten.

– Jiddu Krishnamurti

Herzlicher mit dir und mir

Ich fürchte, ich habe den Liebsten in meinem Leben viel zu lange nicht gesagt, wie viel sie mir bedeuten. Wie sehr sie mein Leben bereichern und wie dankbar ich für ihre Hilfe, ihre Offenheit, ihre Inspirationen, ihre Worte und ihre Zeit bin. Einfach, weil es mir schwer fällt, mich verletzlich zu zeigen und die Dinge beim Namen zu nennen. Also schwinge ich jetzt die Abrissbirne und lasse sie mit einem Gefühl der Befreiung durch meine Mauern sausen. Ich habe Lust mich verletzlich zu zeigen, dazu zu stehen, dass ich nicht perfekt bin und nicht immer die Kontrolle über alles haben kann. Ich möchte mein Leben feiern, möchte intensiv spüren, dass ich lebe und dass ich mit und für meine Fehlerchen geliebt werde. Denn wenn ich ehrlich bin, dafür liebe ich meine Mitmenschen auch am meisten.

 

Von Herzen

Nadine

 

Mehr spannende Untersuchungen zu diesem Thema findest du unter:

TED-Talk mit Brené Brown

Oder in den Ergebnissen der Studien des Kommunikationsexperte Henk van ‘t Klooster, der herausgefunden hat, dass Verletzlichkeit Nähe schafft.

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