Viele Wege führen nach Rom


09. April 2017 / Nadine



 

„Du weißt nicht was du willst. Du bleibst nie bei einer Sache. Du hast keine festen Ziele und Pläne fürs Leben.“ Glaubenssätze, mit denen ich aufgewachsen bin und die mir manchmal das Leben schwer machen. Bis jetzt, denn ich habe sie hinterfragt und festgestellt, dass sie nur Halbwahrheiten sind.

Erst letztens, als ich darüber sinnierte wie es beruflich in meiner Zukunft aussehen könnte, habe ich mir erst wieder anhören müssen, dass ich zu sprunghaft bin und mit meiner Ziellosigkeit niemals Spezialistin auf einem Gebiet werden könnte. Spezialistin? Muss ich denn Spezialistin auf einem Gebiet sein?

 

Kreatives Durcheinander

Tatsächlich bin ich ein Typ, der wahnsinnig viele Interessen hat und sehr wissbegierig ist. Ich möchte so viel sehen, erfahren, lernen, erleben und ausprobieren. Das führt dazu, dass ich mich ständig mit unterschiedlichen Dingen beschäftige und austeste, was zu mir passt, was mich für gewisse Zeiträume begleiten darf. Aber genau deshalb bin ich auch die kreative Persönlichkeit, die mich ausmacht. Oft ist es so, dass gerade kreative Menschen sich nur schwer an Pläne halten können, denn auf den Wegen entstehen so viele neue Ideen, dass die Pläne schon wieder gleich ganz anders aussehen. Ist ja auch nicht weiter schlimm. Denn dadurch entstehen ganz wundervolle Dinge, dadurch lerne ich viel mehr dazu.

 



 

Bisher haben die Glaubenssätze meiner Kindheit, mein Denken und Handeln oft eingeschränkt, meinen inneren Kritiker gestärkt. „Na guck mal, war wohl wieder nicht das Richtige. Hast die Pläne wieder mal über den Haufen geworfen und fängst von vorne an.“, hetzt er gehässig. „Halt die Klappe und verzieh dich in die Ecke“, fahre ich dann meinen inneren Nörgler an und merke, wie frustriert ich bin. Und das eigentlich nur, weil ich ihm Glauben schenke und die Behauptungen nie hinterfrage. Wie die meisten von uns.

 

  life is what happens while you’re busy making other plans.

– John Lennon

Glaubenssätze über Bord

Es stimmt nicht, dass ich generell keine Ziele im Leben habe. Ich habe schon Wünsche, Träume und Vorstellungen. Und hier und da prangt auch ein Ziel an meinem Himmelszelt. Aber ich lasse mir schon immer genügend Freiraum, um die Dinge kommen zu lassen, wie sie kommen. Ich beneide das disziplinierte Abarbeiten und Verfolgen von Plänen und Zielen anderer Menschen, aber um ehrlich zu mir selbst zu sein, meine Methode ist es eben nicht. Ich brauche den Spielraum für meinen Kopf und mein Herz, um mich inspirieren zu lassen, Ideen zu spinnen und neue Wege zu gehen. Das sture Geradeausgehen in Richtung Ziel langweilt meinen Geist ungemein.

 



 

Während ich so durch das Leben spaziere, bricht er so gerne aus und pflückt sich unterwegs am Wegesrand unzählige Gedanken. Und das ist auch gut so. Denn ich merke, dass ich nur so zufrieden mit mir selbst sein kann. Dass ich nur dann mein Leben erfüllend gestalten kann und manche meiner Ziele erreiche. Und die Pläne, die ich nicht verwirkliche? Manchmal lohnt es sich auch seine Träume kritisch zu hinterfragen.

 

  Ziele nach dem Mond. Selbst wenn du ihn verfehlst, wirst du zwischen den Sternen landen.

– Friedrich Nietzsche

Ziele als Wegweiser

Manche Lebensziele sind zu unrealistisch oder können durch verschiedene Umstände gar nicht (mehr) erreicht werden. Deshalb sollte man sie aber nicht unbedingt vergessen oder als ‚nicht erfolgreich‘ abstempeln, sondern eher als Wegweiser ansehen. Wir halten manchmal stur an unseren einst aufgestellten Plänen fest, dass wir ihnen ganz blind hinterherjagen. Dabei kann es sein, dass unsere Vorstellungen sich geändert, sich der aktuelleren Version von uns angepasst haben. Und schon steht ein ganz neuer Stern am Himmel. Aber dafür ist es notwendig, sich hin und wieder zu reflektieren und die Dinge, die man tut, in Frage zu stellen. Nicht alle Ziele im Leben können in die Tat  umgesetzt werden. Aber dafür sind sie auch nicht unbedingt da, möchte ich behaupten. Sie drücken uns einfach nur die nächsten Pflastersteine in die Erde, damit sich ein Weg für uns bildet. Ein Weg auf dem wir dahin schlendern können. Spannend schauen dürfen, was passiert. Während wir in bunten Farben dahin träumen, einfach nur des Träumens wegen. Denn wenn sich alle Träume erfüllen würden, dann hätten wir ja gar keinen Stoff mehr, um unseren Lebensweg zu spinnen.

  Nenne dich nicht arm, weil deine Träume nicht in Erfüllung gegangen sind; wirklich arm ist nur, der nie geträumt hat.

– Maria von Ebner-Eschenbach

Es kommt eh anders als man denkt

Ich finde, dass es eigentlich nur wichtig ist, Ideen, den Willen und die Begeisterung zu haben, sein Leben aktiv zu gestalten. Dafür sind nicht unbedingt feste Pläne und ausgeschmückte Ziele notwendig. Verstehe mich nicht falsch. Ich erachte es schon als sinnvoll Vorstellungen zu haben, aber eben keine, die mit Zwang und Termindruck verbunden sind. Keine Ziele, die erreicht werden wollen und dann mit einem Fähnchen abgesteckt werden. Erreicht nur des Erfolges wegen. Vielmehr braucht es Mut, Dinge auszuprobieren, Zeit, sich zu reflektieren, geöffnete Augen für Möglichkeiten, die sich bieten und Verständnis dafür, dass die Wege des Lebens keine vorgetrampelten Pfade sind und eben oft woanders lang führen, als geplant. Und schon lebt es sich wesentlich entspannter und ganz nebenbei erfüllen wir uns den ein oder anderen Traum.

Von Herzen

Nadine
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