Von Herzen schenken


16. April 2017 / Nadine



Ostern steht direkt vor unserer Tür! Ein traditionelles Fest, welches ich schon als Kind geliebt habe, auf welches ich mich schon das ganze Jahr zuvor gefreut habe. Warum? Nicht wegen der bunten Eier – die habe ich nämlich schon als Kind nicht gegessen. Nein, einfach weil wir Ostern immer alle zusammen gekommen sind und bei Wind und Wetter gemeinsam Zeit draußen verbracht haben. Wir haben alle nach den versteckten Kleinigkeiten gesucht, uns krumm gelacht, wenn der Osterhase seine letzten Verstecke vergessen hat, ein leckeres Ostermenü genossen und einen Osterspaziergang gemacht. Viel wertvolle Zeit miteinander.

Als ich letztens dann folgenden Monolog hörte, krampfte sich mein Herz zusammen: „Ach Mensch, stimmt ja! Diese Woche hat ja schon Marie Geburtstag. Der muss ich ja noch ein Geschenk besorgen. Und darauf die Woche ja dann auch schon Alex. Und dann ist da ja auch noch Ostern! Alle wollen sie Geschenke haben…“

 

Was bedeutet schenken?

Vor vielen Jahren habe ich mich bewusst dafür entschieden, zu schenken, wenn mir danach ist. Also dann, wenn ich jemandem eine Freude machen möchte, wenn ich etwas Bestimmtes sehe, bei dessen Anblick ich an jemanden denken muss, wenn ich jemanden aufmuntern möchte oder wenn ich etwas teilen möchte. Und unter 1 von 10 Malen fällt eine Feierlichkeit. Der Kerngedanke des Schenkens ist in unserer Gesellschaft absolut verloren gegangen. Schauen wir uns doch mal Weihnachten zum Beispiel an. Die Menschen rennen gestresst durch die Kaufhäuser, sind genervt, weil sie unter dem Druck stehen, tolle Geschenke zu besorgen und sich plötzlich Gedanken um Personen machen müssen. Jeder erwartet Geschenke zu bekommen und machen zu müssen. Was für eine sinnlose Geldverschwendung oder viel mehr Geld-hin-und-her-Schieberei!



Was soll ich dir schenken? Was wünschst du dir? Als ich diese Fragen gestellt bekommen habe, war ich fast etwas wehmütig. Warum kennt diese Person mich nicht gut genug, um mir ein Geschenk zu machen? Warum muss ich denjenigen mit einer Einkaufsliste losschicken, auf der am besten alle nacheinander abhaken können, was sie für mich besorgt haben? Und dann soll ich am Tag der Feierlichkeit ganz aufgeregt das Geschenkpapier aufreißen und völlig überrascht tun. Was für ein Schwachsinn! Dabei liegt doch der Zauber des überraschenden Schenkens im bedingungslosen, unerwarteten Geben.

  Ich habe heute ein paar Blumen nicht gepflückt, um dir ihr Leben zu schenken.

– Christian Morgenstern

Weniger Dinge, mehr Erlebnisse

Meine Antwort auf die Wunschfrage ist seitdem diese: „Wenn du etwas siehst, was regelrecht nach Nadine schreit, etwas bei dem du fühlst, dass es mir eine Freude bereitet, dann darfst du mich damit gerne überraschen. Und wenn nicht, dann ist das auch toll.“

Anfangs habe ich dafür viel Kritik kassiert, ja sogar Unmut zu spüren bekommen, weil ich den vermeintlichen Schenkern einen Strich durch die Rechnung gemacht habe. Aber das war mir egal. Ich wollte nicht noch mehr Hab und Gut zu Hause verstauen müssen, nur weil mal wieder „Schenken“ im Kalender stand.



Laut Studien mieten sich die Menschen teilweise sogar schon Stauräume an, um die vielen Dinge, die sich bei ihnen angehäuft haben, unterzubringen. Dabei wissen wir doch bereits, dass Erlebnisse sich vorteilhaft auf uns auswirken, im Gegensatz zu Dingen. Forscher haben herausgefunden, dass wertvoll genutzte Zeit mehr Wirkung auf unsere Zufriedenheit hat, als das Besitzen von Dingen.

  Mit leeren Händen kommt der Mensch, mit leeren Händen geht er wieder. Und dazwischen bildet er sich ein, etwas zu besitzen.

– Osho

Gemeinsame Abenteuer schaffen Bindung

Ich habe deshalb auch irgendwann damit angefangen, besonders gerne Zeitgeschenke zu verschenken. Dabei geht es darum, mit jemandem eine gemeinsame Unternehmung zu erleben – ein Frühstück, ein Konzertbesuch, ein Picknick, ein gemeinsamer Kochabend, ein Ausflug an einen unbekannten Ort. Den Möglichkeiten sind keine Grenzen gesetzt. Es ist viel einfacher für die zu beschenkende Person ein Erlebnis zu wählen als einen Gegenstand. Und das tolle daran ist, dass man sich selbst zeitgleich mit beschenkt. Schließlich steht ja das Wir im Mittelpunkt.

  Das Schönste, das wir einander schenken, sind Erinnerungen, die uns tragen.

– Brigitte Grawe

In einer Welt, in der sich viel am Äußeren orientiert wird, am Haben und Besitzen, kann es wahnsinnig erleichternd sein, sich auf das wirklich Wichtige zu konzentrieren – auf die gemeinsame Zeit, die wir haben. Denn diese ist, auch wenn wir es immer wieder  gerne wegschieben, begrenzt. Aber genau diese Augenblicke, die wir zusammen erleben dürfen, machen wahre Lebensqualität aus. Sie lassen uns das Leben feiern, spüren, dass wir lebendig sind und rücken uns noch ein Stück näher beieinander. Diese gemeinsamen Momente knüpfen jedes Mal noch engere Knoten in unsere Bindungen zueinander und lassen uns, wie man so schön sagt, ein Herz und eine Seele werden.



Mit Geschenken berühren

Vor allen Dingen geht es beim Schenken aber darum, sein Gegenüber etwas fühlen zu lassen – Freude, Aufregung, Jubel, Überwältigung. Letztens zum Beispiel, habe ich meinen Briefkasten geöffnet und ein kleines, hübsch gestaltetes Päckchen gefunden. Ich konnte anhand der Adressaufschrift nicht erkennen, wer mir da etwas geschickt hat. Noch im Treppenhaus habe ich vor Neugierde an dem Päckchen gezerrt und versucht eine Öffnung zu finden. Zum Vorschein kamen eine Postkarte mit einem liebevoll geschriebenen Text und zwei Tafeln Schokolade. Warum mein Herz dabei Luftsprünge gemacht hat? Weil ich der Freundin, von der ich das Päckchen erhalten habe, eine Woche vorher erzählt habe, dass ich mich darüber geärgert habe, nur eine Tafel dieser ganz besonders leckeren Schokolade bei einem gemeinsamen Ausflug gekauft zu haben. Sie hatte mir aufmerksam zugehört und wusste ganz genau um den Zauber, mir eine Freude zu bereiten. Das, meine Freunde, ist wahres Schenken. Und es war übrigens nicht der 24. Dezember.

  Die Zeit von der ich dachte, ich würde sie meinen Kindern schenken, war in Wahrheit die schönste Zeit, die mir geschenkt wurde.

– Peter Bachér

 

Von Herzen

Nadine
Please follow and like us:
RSS
Email
Pinterest
Pinterest
Facebook
Facebook
Twitter
Google+
http://flowermind-magazine.com/von-herzen-schenken/

Das könnte dir auch gefallen

Hinterlasse einen Kommentar

Teile deine Gedanken

Benachrichtige mich zu:
wpDiscuz