Wie Topf und Deckel


30. April 2017 / Nadine



Es gibt Menschen in unseren Leben, mit denen wir uns so gut verstehen, absolut auf einer Welle surfen, dass wir das Gefühl haben, man ist aus demselben Eisen geschmiedet. Oft stellen wir das schon in den ersten Momenten, in denen wir den anderen kennenlernen, fest. Schicksal? Seelenverwandtschaft?

 

  Wenn zwei Menschen sich begegnen, die füreinander bestimmt sind, dann ist keine Eile geboten, weil das Unausweichliche sowieso geschehen wird.

– Paulo Coelho

Schicksal und Seelenverwandte

Spannenderweise glauben tatsächlich recht viele Menschen an so etwas wie Schicksal. Zwar geht keiner damit hausieren, aber wenn man ins Gespräch darüber kommt, stellt man fest, dass nicht wenige Leute abgeneigt sind von der Vorstellung, dass das Leben seine Würfel für uns spielt. Interessanterweise glauben vor allem die rational denkenden Menschen in meinem Umfeld, von denen ich das überhaupt nicht gedacht hätte, an Schicksal, Fügung oder wie man es auch nennen möchte. Ich persönlich glaube daran, dass nichts ohne Grund geschieht und alles einen Sinn und Zweck für unser ganz persönliches Leben hat.

 

Bei einem Frühstück mit einer Freundin sinnierten wir über genau diese Themen – Schicksal, Seelenverwandtschaft, die Chemie zwischen zwei Menschen. Einstieg in unseren Gedankenaustausch bot uns eine kleine Geschichte über die Freundin meiner Freundin. Diese hat wohl innerhalb eines Jahres 6 verschiedene Männer kennengelernt und wurde von allen sitzen gelassen. Interessant ist, dass sie bei allen 6 Männern der festen Überzeugung war, dass er der Richtige ist, etwas ganz Außergewöhnliches und vom Schicksal so bestimmt. Ich möchte natürlich niemandem auf den Schlips treten, aber ich wage das zu bezweifeln. Das wäre in meinen Augen doch höchst ungewöhnlich. Das bedeutet aber nicht, dass ich nicht an eine besondere Verbundenheit zwischen zwei Menschen glaube.

  Jenseits von richtig und falsch liegt ein Ort. Dort treffen wir uns.

– Rumi


Wann springt der Funke über?

1. Unterbewusst sorgt der Körpergeruch eines Menschen dafür, ob wir uns in erster Linie sympathisch finden oder nicht

2. Menschen, die uns ähnlich sind, schenken uns ein Gefühl von Vertrautheit und Gemeinsamkeit

3. Intimität und Tiefgründigkeit schaffen Nähe

4. Auf ähnliche Dinge zu stehen verbindet uns

5. Unser erster Eindruck kann uns manchmal täuschen, wenn wir eine andere Person assoziieren

 


1. Man muss sich schon riechen können

Die Frage nach der besonderen Chemie zwischen Menschen haben sich schon sehr viele Wissenschaftler gestellt. Tatsächlich ist „Die Chemie muss stimmen.“ nicht nur so ein Spruch, sondern birgt viel Wahres. Unsere körpereigenen Düfte lassen nämlich auf unser Immunsystem schließen. Bei einer ersten Begegnung mit einem Fremden löst unser Eigengeruch Reaktionen beim Gegenüber aus. Entweder man kann sich wortwörtlich riechen oder eben nicht. Das hat damit zu tun, dass Menschen mit unterschiedlichen Körpergerüchen sich auch in ihren Immunsystemen unterscheiden. Und das wiederum sorgt dafür, dass wir uns zum anderen hingezogen fühlen. Denn unterschiedliche Immunsysteme bringen evolutionsbedingt einen abwehrkräftigen Nachwuchs. Der Sprössling wäre dann mit einem Immunsystem ausgestattet, der von allem etwas hat. Kommt uns also ein Mensch mit einem anders ausgestatteten Immunsystem unter die Nase, fliegen die Schmetterlinge im Bauch schon mal schneller los. Also weniger Parfum und Aftershave, Ladies und Gents 😉

(Mehr dazu haben u.a. die Forscher der Universität Bern herausgefunden)

 

2. Du hast meinen Humor

Über dieselben Dinge lachen, den Satz des anderen vervollständigen, das Gleiche aussprechen – ein Gespräch, welches auf vertraute Art abläuft. Studien zufolge erscheint uns ein Gesprächspartner, der auf ähnliche Weise wie man selbst kommuniziert, als attraktiv und vermittelt schnell das Gefühl von Gemeinsamkeit. Gegenseitiges Interesse entsteht dann, wenn wir merken, dass das Gegenüber eine ähnliche Intelligenz aufweist und das Gespräch schnell einen einfachen Fluss annimmt. Man hat das Gefühl, der andere versteht einen und vergisst schon mal die Zeit beim Schwätzchen miteinander. Trifft man auf so eine Person, ist das Eis meist schneller gebrochen, die Themen werden tiefgründiger und man erzählt sich auch vertrautere Dinge.

(Mehr dazu haben die Stanford-Soziologen Daniel McFarland, Dan Jurafsky und Craig Rawlings von der University of California herausgefunden)

 



3. Sich gegenseitig die Herzen öffnen

Wir lernen jemanden kennen und sind erst einmal darauf bedacht nicht zu viel von uns preiszugeben. Geheimnisvoll bleiben, nicht verletzlich zeigen, sich nicht in die Karten schauen lassen – wer kennt das nicht? Dabei entsteht durch das Zeigen der eigenen verletzlichen Seiten oft Verbundenheit und viel mehr Nähe. Das hat zumindest der Sozialpsychologe Arthur Aron herausgefunden. Wenn das Gespräch tiefgründig wird,  man sich intime Sachen anvertraut und Emotionalität zulässt, egal wie gut man sich schon kennt oder auch nicht, fühlt man sich plötzlich dem Gesprächspartner noch mehr verbunden. Vorausgesetzt man empfindet Mitgefühl und kann mit Offenherzigkeit gut umgehen. Zugegeben es ist nicht jedermanns Ding sich gleich zu öffnen und aus dem Nähkästchen zu plaudern, aber aus Erfahrung kann ich Arons Ergebnisse nur befürworten.

 

4. Sie tanzt in meinem Rhythmus

Logisch, wenn ein Mensch auf ähnliche Dinge steht wie wir selbst, dann haben wir das Gefühl er versteht uns und wir fühlen uns mit ihm verbunden. Egal, ob es dabei um Hobbys, Reiseziele, Essen oder Musik geht. Was die Musik angeht, so hat es der Kommunikationsexperte Henk van ‘t Klooster herausgefunden, kann uns derselbe Geschmack schon mal ein ganzes Stück zusammenrücken. Klar, wir wissen, dass bei Musik, die wir schön finden, Glücksgefühle durch den Körper rauschen. Wenn dann jemand neben uns sitzt, der diese Gefühle mit uns teilt, dann fühlt man sich schnell zugehörig und teilt ein gemeinsames Hochgefühl. Natürlich kann es auch passieren, dass man beim Kennenlernen von süßer Musik umhüllt wird, die einen berauscht und schon hat man die rosa-rote Brille auf. Ist das Gegenüber allerdings von der Musik in keinster Weise berührt, dann steht man unter Umständen auch mal alleine mit seinem Hochgefühl da. Nicht so schlimm, es findet sich schon jemand, der zur selben Musik tanzt.

 

5. Ich weiß nicht warum, aber ich konnte ihn von Anfang an nicht leiden

Wer sich schon mal mit dem Thema Wahrnehmung beschäftigt hat, der weiß, dass wir Eindrücke aufnehmen und unser Gehirn sofort anfängt alle Einflüsse einzusortieren, zu kategorisieren und mit bereits gemachten Erfahrungen zu vergleichen. So kann es schon mal dazu kommen, dass wir beim Kennenlernen einer Person, unterbewusst eine Erfahrung ausgraben, die uns ein ungutes Gefühl gibt. Natürlich wollen unser Körper und Gehirn uns vor weiteren unangenehmen Erfahrungen und Begegnungen schützen und suggerieren uns, dass wir Abstand nehmen sollten oder stecken das Gegenüber in eine Schublade mit der Aufschrift „Nicht wieder öffnen“. Doch der Schein kann schon auch mal trügen. Manchmal stimmt unser erster Eindruck nicht und bewahrt uns vor ganz wunderbaren Begegnungen. So hat eine meiner besten Freundinnen zum Beispiel am Anfang gedacht, dass es bei uns nie passen könnte. Zugelassen hat sie das Kennenlernen trotzdem und uns verbindet seit 10 Jahren eine ganz wundervolle Freundschaft.

  … weil du Heimat und Zuhause bist, weil bei dir mein Bauchweh aufhört.

– Philipp Poisel

 

Mal beiseite mit der Wissenschaft. Ich glaube, dass unsere Seele genau weiß, wann ihr eine Person gegenüber steht, die in unser Leben passt. Wenn wir jemanden sehen und unter Umständen nicht verstehen können, was es ist, was uns zu diesem Menschen hinzieht. Wenn der Bauch einem deutlich zu verstehen gibt, dass es richtig ist. In seinem Song „Halt mich“ beschreibt Philipp Poisel das Phänomen ganz trefflich, wie ich finde. Treffen wir den Richtigen, einen Seelenpartner, egal ob in freundschaftlicher oder romantischer Hinsicht, haben wir das Gefühl nach Hause zu kommen. Manchmal treffen wir auf solche Personen,  legen alle Gedanken darum, gefallen zu wollen einfach ab, haben die Leichtigkeit im Gepäck und fühlen uns verstanden, aufgefangen und verbunden. Man darf so sein wie man ist, denn derjenige durchschaut uns sowieso und öffnet sein Herz für die authentische Person, die wir sind. Zum Glück, denn deshalb passt es so wunderbar!

  Mit manchen Menschen sind ein paar Stunden so erholsam wie zwei Wochen Urlaub.

– unbekannt

 

Von Herzen

Nadine
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